Ü20-Anlagen – Weiterbetrieb möglich

Für die ersten Photovoltaikanlagen ist Ende des Jahres 2020 die EEG-Förderung ausgelaufen. Denn diese gilt pro Anlage nach den Grundprinzipien des EEG gesetzlich garantiert nur für 20 Jahre.

Der Entwurf des EEG 2021 aus September 2020 sah für solche Anlagen noch einen generellen Entfall einer weiteren gesetzlich definierten Vergütung vor, weshalb eine weitere Einspeisung solcher Anlagen zu einer nicht zulässigen „wilden“ Einspeisung geführt hätte. Der Anlagenbetreiberin wäre zu einem Handeln aufgefordert gewesen, bei dem die betroffenen PV-Anlage erstmal abgeschaltet hätte werden müssen, um sich für den weiteren Betrieb vorher einen Direktvermarkter zu suchen oder eine gänzliche Nutzungsänderung zu planen. Die nunmehr vorliegende und vom Gesetzgeber verabschiedete EEG-Novelle 2021 bringt aufgrund von vorherigen Einsprüchen und Nachverhandlungen erstmal eine Entspannung für solche Anlagen.

Die wichtigsten Punkte vorab in Kürze:

·            das EEG 2021 bietet drei Möglichkeiten zum Weiterbetrieb

·            eine aktuelle Weitereinspeisung in das öffentliche Netz ist möglich und daher nicht illegal

·            es verbleibt durch eine Übergangsfrist zeitlich die Chance, andere Betriebsvarianten zu prüfen

·            es gibt keine SmartMeter-Pflicht für Anlagen unter einer Größe von 7 kWp

·            eine EEG-Umlagepflicht für den Eigenverbrauch von Ü20-Anlagen entfällt

·            es ergeben sich im Einzelfall wirtschaftliche Perspektiven für einen Weiterbetrieb.

Die verabschiedete EEG-Novelle 2021 hat nun eine Übergangsfrist geschaffen, welche es ermöglicht, die Ü-20-Anlagen weiter am Netz zu belassen, ohne dass der betroffene Anlagenbetreiber etwas unternehmen muss.

Diese Übergangsfrist läuft bis 2027. Demnach ist es möglich, die betroffenen PV-Anlage weiter am Netz einspeisen zu lassen, allerdings unter anderen Vergütungsvoraussetzungen (siehe weitere Erläuterungen)

Lösungsmöglichkeiten

Für den Weiterbetrieb der Ü20-Anlagen gibt es verschiedene Möglichkeiten, welche sich in wirtschaftlicher, ökologischer und insbesondere rechtlicher Sicht unterscheiden und daher einer genauen Abwägung bedürfen.

Wichtiger Baustein hierbei ist die bisher im Entwurf enthaltene zwanghafte Nachrüstung mit SmartMeter-Messeinrichtung ab einer Anlagengröße von 1 kWp. Die Grenze der Nachrüstpflicht wurde nunmehr auf 7 kWp angehoben. Die aktuellen Ü20-Anlagen sollten daher erstmal nicht betroffen sein.

Ein weiterer Pluspunkt ergibt sich aus der Streichung der anteiligen EEG-Umlage für den Eigenverbrauch.

Weiterbetrieb der Ü20-Anlage als Volleinspeiseanlage

Variante a) Einspeisung über Marktwert

Wie bereits angeführt, ist ein Weiterbetrieb der Ü20-PV-Anlage möglich, ohne dass sich technisch etwas ändern wird. Allerdings erfolgt dies unter keiner „neuen“ festen EEG-Vergütung, sondern der Anlagenbetreiber bekommt ausschließlich nur noch die Vergütung des Marktwertes (für 2021 ca. 3,0 ct/kWh) abzüglich eines Entschädigungsaufwandes für den Netzbetreiber für die Vermarktungskosten in Höhe von 0,4 ct/kWh,

Bei den in den Anfangsjahren des EEG und zuvor gebauten PV-Anlagen handelt es sich zumeist aufgrund der damaligen Preise um Kleinanlagen zwischen zwei und vier kWp. Es ist daher unschwer vorstellbar, dass sich bei diesen gesetzlichen Auflagen und einer möglichen Marktpreisvergütung des eingespeisten Stroms mit langfristig rd. 2,5 ct/kWh bei einer beispielhaften Anlagengröße von 2-kWp-Anlage die Betriebskosten den möglichen Erlös übersteigen.

Variante b) Einspeisung über „vereinfachte Direktvermarktung“

Alternativ hierzu ist es unter Umständen möglich, dass örtliche Stadtwerksbetriebe (z.B. Stadtwerke Tübingen) spezielle Angebote unterbreiten, den erzeugten Strom zu besseren Konditionen (z.B. 6 ct/kWh) abzunehmen. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte „vereinfachte“ Direktvermarktung. Dies erfolgt dann womöglich im Rahmen einer anderweitigen Vertragsbindung (z.B. beim Strombezug).

Es ist davon auszugehen, dass bei einem solchen Kundenmodell weitere Stadtwerke oder Netzbetreiber folgen werden. Hieraus können sich günstigere Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen ergeben, welche ein positives Betriebsergebnis ermöglichen („schwarze“ Null aufwärts).

Weiterbetrieb der Ü20-Anlage als Überschusseinspeisung

Auch ohne Speicher ist es bereits möglich, einen Eigenverbrauchsanteil von bis zu 30% zu erzielen, insbesondere bei kleinen PV-Anlagen. Da aktuell bei neuen EEG-Anlagen der Eigenverbrauch die Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage wesentlich beeinflusst, trifft dies für Ü20-Anlagen sicherlich umso mehr zu.

Weiterbetrieb der Ü20-Anlage als ausschließliche Eigenstromnutzung

Die sicherlich interessanteste Weiternutzungsmöglichkeit besteht darin, die Ü20-Anlage vollständig für die Eigenstromnutzung zu verwenden ohne nennenswerte Überschusseinspeisung. Der Vorteil bei den kleineren Anlagen aus den Anfangsjahren ist, dass bei einer Kleinanlage der hieraus gezogene Eigenstromanteil in der Regel bereits höher liegt. Bei einer 2-kWp-Anlage lässt sich bereits ohne Speicher bei einem Vier-Personenhaushalt ein Eigenverbrauchsanteil von rd. 57% erzielen.[1] Mit Einbindung eines 2,5-kW-Speichers wären es sogar rd. 90%. Bei einer 5 kWp-Anlage wären dies bei einem 5 kW-Speicher rd. 54%1

[1] www.pvspeicher.htw-berlin.de/unabhaengigkeitsrechner/

Repowering und Nutzungsänderung

Eine weitere Möglichkeit ist es, die Ü20-EEG-Anlage still zu legen, die Module abbauen und auf gleicher Fläche mit der heutigen Modultechnik eine weitaus größere PV-Anlage zu installieren. Somit kann eine ursprüngliche PV-Anlage mit 2 oder 3 kWp auf bis zu 10 kWp vergrößert werden. Dazu ein angemessener Speicher und neuer Wechselrichter mit höherem Wirkungsgrad.

Vorteil:

·            neue Anlage, welche sich mit der aktuellen EEG-Vergütung und dem Eigenverbrauch in der Regel sicher wirtschaftlich rechnet

·            neue Gewährleistung und Garantien

·            steuerlicher Abzug und Neuabschreibung aufgrund Neuinvestition

Nachteil:

·            Erzeugung von Elektroschrott eigentlich noch funktionstüchtiger Module und Wechselrichter

·            mögliche Änderungen am Netzanschluss / Hausanschlusskasten

·            Nachrüstung SmartMeter-Messeinrichtung (Anlagen über 7 kWp) und evtl. umfangreicher Umbau des Zählerschrankes

Alternativen:

·            alte Module auf den Zweitmarkt bringen (Bastler, Camper)

·            alte Module für Heizung nutzen (Pufferspeicher, Warmwasserbereitung)