Gewährleistung und Garantie

Der feine Unterschied mit großer Wirkung

Bei der Gewährleistung handelt es sich vereinfacht ausgedrückt um einen auf eine bestimmte Zeit dem Verbraucher, Käufer oder Erwerber einer Sache oder eines Bauwerkes gesetzlich verankerten Mangelbeseitigungsanspruch. Der Begriff des Mängelbeseitigungsanspruches spiegelt sich auch im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) wieder, das Wort „Gewährleistung“ wird nur noch am Rande erwähnt. 

Bei der Gewährleistung handelt es sich um Ansprüche, die dem Käufer im Rahmen eines Kaufvertrags zustehen, bei dem der Verkäufer eine mangelhafte Ware oder Sache geliefert hat. Auch beim Werkvertrag gibt es eine Gewährleistung für Mängel des hergestellten Werks. Jedoch sind für beide Vertragstypen teilweise unterschiedliche Handhabungen und ergänzende rechtliche Regelungen zu beachten. 

Im Kaufrecht in § 437 BGB und im Werkvertragsrecht in § 634 BGB werden die Rechte genannt, die dem Käufer beziehungsweise dem Besteller im Werkvertragsrecht bei Vorliegen eines Mangels zustehen. Die Regelung des Gesetzes mit mehrfachen Verweisungen ist kompliziert und für Nichtjuristen daher nicht immer verständlich. 

Die Gewährleistung umfasst sowohl die Haftung für Sachmängel, d. h. Mängel in Bezug auf die Beschaffenheit des geschuldeten Werkes, als auch für Rechtsmängel. Der Mangel muss bei Gefahrenübergang (also meist nach § 446 BGB bei Übergabe der Sache oder bei § 640 BGB bei Übergabe des Werkes) vorliegen. Jedoch können  auch später auftretende Defekte Sachmängel sein, wenn sie schon bei Gefahrübergang im Keim angelegt waren. Diese müssen aber dann vom Käufer oder Besteller nachgewiesen werden.

Garantie

Von der gesetzlich im BGB vorgeschriebenen Gewährleistung bzw. Mängelansprüchen ist die Garantie zu unterscheiden; diese ist insofern seitens des Garantiegebers freiwillig, als es keine gesetzliche Verpflichtung zur Abgabe eines Garantieversprechens gibt. Dies bedeutet, dass ein Hersteller, Verkäufer oder Anlagenerrichter ein freiwilliges Garantieversprechen abgeben kann, dessen Bedingungen ausschließlich durch den Garantiegeber bestimmt werden. Die Garantie beinhaltet eine freiwillige Selbstverpflichtung des Händlers oder Herstellers, die über den gesetzlichen Verpflichtungen des Kaufvertrags hinausgeht. Es gibt dabei die unterschiedlichsten Formen von Garantien:

  • Preisgarantie (Rücknahme oder Preisangleichung wenn die Konkurrenz billiger ist)
  • Zufriedenheitsgarantie (befristetes Rückgaberecht bei Unzufriedenheit mit dem Produkt)
  • x Jahre Garantie für …“ (Garantieumfang wird meist konkret genannt)

Schönes Beispiel ist wieder das Auto, wo es bei diversen Marken zum Beispiel eine zeitlich längere Garantie auf die Karosserie gegen Durchrostung gibt – in den meisten Fällen aber gekoppelt an einer regelmäßigen Inspektion.

Wichtig ist, dass Garantieansprüche unabhängig von gesetzlichen Mängelansprüchen bestehen. Genauso wichtig ist aber auch, dass die Garantien der Hersteller auch gegenüber dem Käufer erklärt sein müssen. Auch wenn auf dem Datenblatt oder Prospekt von Garantien die rede ist, vielfach werden Garantien an verschiedene Formalitäten geknüpft. So kann es z.B. sein, dass Module oder Wechselrichter beim Hersteller registriert sein müssen, um die Garantie wirksam in Gang zu setzen.

Bei der Photovoltaikanlage kommt man meist mit folgenden Garantien in Berührung:

Garantie für Module

Hier sind in der Regel zwei Garantien zu unterscheiden; einmal die Produktgarantie und einmal die Leistungsgarantie.

Die Produktgarantie bezieht sich auf die Herstellungsqualität des Moduls und verspricht, dass im Falle eines auftretenden Mangels wie zum Beispiel das Auffrieren der Modulrahmen, Spannungsrisse bei Glas-in-Glas-Modulen oder defekten Anschlussdosen der Hersteller entsprechend Ersatz leistet. Wie dieser Ersatz letztendlich aussieht, steht in den Herstellergarantien, welche Ihnen als Käufer der Anlage eigentlich vorliegen sollten.

Dass die Ersatzregelungen oftmals nicht so einfach sind, wie Sie in werbewirksamen Aussagen getätigt werden, zeigen oft die meist kleingedruckten Garantiebedingungen im Einzelnen. In vielen Fällen werden dem Anlagenbetreiber recht hohe Hürden aufgebürdet, was bereits den Mangelnachweis angeht; d.h. ob es sich tatsächlich um einen herstellungsbedingten Mangel oder um eine Einwirkung von Außen handelt. Letztere wäre nämlich gar nicht im Garantieumfang enthalten. Auch in einem nachgewiesen Gerantiefall ist die Abwicklung oftmals nicht ganz einfach. Vielfach gehen Transport-, De- sowie Remontagekosten zu Lasten des Anlagenbetreibers. Dies bedeutet, dass der Hersteller Ihnen nur entsprechende Neuware frei ab Werk zur Verfügung stellt und Sie die Kosten für den Transport und Modultausch selber tragen müssen. Die Verbraucherzentrale Nordrheinwestfahlen hat diesbezüglich schon einige Modulhersteller erfolgreich abgemahnt, weil viele Garantien ihren Zweck rein wirtschaftlich gesehen gar nicht erfüllen und dem Verbraucher sogar eher Nachteile bringen.

Die üblichen, von den Herstellern gewährten Produktgarantien belaufen sich auf fünf Jahre ab Erwerbsdatum. In seltenen Fällen betragen diese auch 10 Jahre.

Bei der Leistungsgarantie verhält es sich ähnlich. Von den Modulherstellern werden  oftmals Garantien von 25 bis 30 Jahre angeboten. Viele Leistungsgarantien sind abgestuft; zum Beispiel 10 Jahre 90% und 25 Jahre 80%. Im Klartext: es wird vom Hersteller garantiert, dass nach 10 Jahren die Module noch mind. eine Nennleistung von 90% erbringen bzw. nach 25 Jahren 80%.

Garantie für Wechselrichter

Hier gelten oftmals ähnliche Bedingungen wie diejenigen bei Modulen. Es gibt aber auch von Hersteller zu Hersteller unterschiedliche Handhabungen im Garantiefall. Ertragsausfälle bei einem Garantiefall sind meist ausgeschlossen, auch wenn der Wechselrichtertausch auf sich warten lässt. In den meisten Fällen übernehmen die Hersteller die Arbeitskosten für den Austausch; oftmals muss aber auch der Kunde den Arbeitslohn des Installateurs zahlen.

Viele Wechselrichterhersteller bieten käufliche Garantieverlängerungen an. Dies bedeutet, dass man die sonst übliche Werksgarantie von fünf Jahren mitunter auf 10 Jahre oder auch 15 Jahre käuflich verlängern kann. Ob das investierte Geld hierbei gut aufgehoben ist, da gehen die Meinungen auseinander. Man muss dies je nach Anlagentyp wirtschaftlich betrachten. Das gleiche gilt auch für sogenannte Garantieversicherungen. Hierbei kann man seine Wechselrichter gegen üblichen Ausfall (reiner Gerätedefekt) versichern – ähnlich einer Garantie. Ob man z.B. bei einem üblichen Gerätedefekt mit einer Reparatur oder einem gebrauchten Ersatzgerät günstiger fährt, entscheidet oft der Einzelfall.

Grundsätzlich ausgeschlossen bleiben bei der Garantie (wie auch bei den Modulen), Schäden von außen, sprich Blitzschlag, Überspannung, Vorsatz, Brand, etc. Hier entfallen dann auch die zugekauften Garantieverlängerungen für dieses Gerät. Im Extremfall kann sich also eine 10-jährige, teuer erkaufte Garantie bei einem Überspannungsschaden nach zwei Jahren bereits in Luft auflösen. Wer hierbei gleich an seine Versicherung denkt, sollte beachten, dass Garantien in der Regel nicht versichert sind – auch nicht in so genannten Allgefahrenpolicen (siehe hierzu auch die später folgenden Ausführungen zum Thema „Versicherungen“).